Ausgangslage

Aktuelle Situation in Honduras

Viele Familien in Honduras sehen sich hilflos einem rauen, aggressiven Umfeld ausgesetzt. Arbeitslosigkeit, schlechte Lebensverhältnisse, unterbezahlte Arbeit, keine Möglichkeit der Bildung und ein gänzliches Fehlen von sozialer Sicherheit prägen die Situation. In San Pedro Sula werden jeden Tag durchschnittlich acht neue Hütten an den von Überschwemmungen gefährdeten Flussufern gebaut und pro Monat wandern rund 2000 Leute vom Land in diese Stadt um Arbeit und eine bessere Zukunft zu finden.

 

Flucht in die Stadt

Die Auswirkungen dieser Landflucht sind verheerend, vor allem für die Kinder. Diese erwachen eines Tages in einer Umgebung von Gewalt und Gleichgültigkeit. Wer hier in eine öffentliche Schule gehen kann, ist schon privilegiert. Viele Kinder werden den ganzen Tag von ihren Eltern alleine in den Elendsvierteln gelassen, weil sie als Strassenverkäufer den Lebensunterhalt verdienen müssen. Oft aber werden die Kinder auch in die Stadt mitgenommen, wo sie als Hilfsarbeiter auf Baustellen, Zeitungsverkäufer, Schuhputzer, Windschutzscheibenreiniger oder Gepäckträger an Busbahnhöfen, Strassenkreuzungen und Märkten ihre Dienste anbieten. Damit tragen sie zum Unterhalt der Familie bei. Erst am Abend werden sie dann von ihren Eltern wieder abgeholt oder sie müssen alleine mit dem Bus nach Hause fahren.

Verwahrlosung und Kriminalität.

Sehr oft kommt es auch vor, dass der Vater oder manchmal auch die Mutter die Familie verlässt. In solchen Fällen werden die alleine gelassenen Kinder zu Tanten oder Nachbarn gebracht, die sie aufziehen müssen. Diese Situation führt zu Verwahrlosung, Kinderprostitution, Drogenkonsum und Kinderarbeit oder im günstigsten Fall zu exzessivem Fernsehkonsum. Der Anteil an minderjährigen Straftätern steigt in dem Masse, wie sich die wirtschaftliche Situation für die Armen in Honduras weiter verschlechtert. Angesichts des Rufes nach mehr öffentlicher Sicherheit hat der Oberste Gerichtshof eine Initiative vorgelegt, nach der Minderjährige ab 12 Jahren bei Straftaten vor dem Gericht wie Erwachsene behandelt werden sollen.

 

Jugendbanden Mara 18 (M18) und Mara Salvatrucha (M13)

Viele Quartiere in San Pedro Sula werden von Jugendbanden beherrscht. Die gut organisierten Mara 18 und Mara Salvatrucha erpressen Schutzgelder von Geschäftsbesitzern, Gewerbetreibenden, Transportunternehmern und Taxifahrern und sind im Drogenhandel aktiv. Mit rund 12 Jahren verlassen die meisten Kinder die Volksschule nach der 6. Klasse. Viele von diesen werden von den Jugendbanden rekrutiert und bewaffnet. Wer nicht einer der beiden Jugendbanden beitreten will, wird oft ermordet oder muss fliehen. Meisten geht es dann auf gefährlichem Weg Richtung U.S.A., wo man sich ein besseres Leben erhofft.

Es gilt nun aber nicht die Folgen, sondern die Ursachen der Straffälligkeit zu bekämpfen. Diese sind in der Armut, im Zerfall der Familie und der Jugendarbeitslosigkeit zu suchen. Gerade in der Unterschicht bleibt die Verantwortung für den Nachwuchs häufig den teilweise selbst noch minderjährigen Müttern vorbehalten. Im Durchschnitt haben diese allein erziehenden jungen Frauen für vier bis fünf Kinder, meistens von verschiedenen Vätern, zu sorgen. In diesem Umfeld fehlt es an Regeln, Normen und Ethik. Die Jugendlichen finden in den Jugendbanden die fehlende Familie.

 

Erziehungs- und Schulprogramm

Honduras zählt mehr als 8 Millionen Einwohner und davon ist fast die Hälfte jünger als 16 Jahre. Schule und Erziehung müssten also erste Priorität haben. Vor 15 Jahren hat die Regierung mit den ersten Kindergarten-Programmen zu experimentieren begonnen, was zur Folge hatte, dass 17 % aller Kinder unter 6 Jahren Zugang zu einer entsprechenden Schule bekamen. Das heisst, im Jahre 1990 haben von insgesamt 447655 Kindern nur 76558 einen Kindergarten besuchen können. 1999 wurden vom Erziehungsdepartement von total 521966 Kindern, 202804 eingeschrieben, was bedeutet, dass 319162 Kinder (62 %) nicht in den Genuss des Kindergartens kamen und zu Hause bleiben mussten.
Die Qualität dieses Programmes ist aber nicht zeitgemäss und die Schulzimmer sind im Durchschnitt mit 60 Kindern vollgepackt. Dazu kommt, dass die Lehrkräfte nur einen Bruchteil ihres Pensums absolvieren, d.h. im Schnitt werden nur 28 Minuten einer Unterrichtsstunde erteilt, sodass die Kinder wieder die meiste Zeit zu Hause oder sich selbst überlassen bleiben müssen. Um dieser Situation auszuweichen, schickt praktisch die gesamte soziale Ober- und Mittelschicht ihre Kinder in Privatschulen.

In Anbetracht dieser prekären Lage, kann man zu Recht sagen, dass praktisch keine funktionierende Vorschulstufe in Honduras existiert. Honduras ist mit seinem Erziehungs- und Schulprogramm mehr als 20 Jahre im Rückstand gegenüber Costa Rica oder Panama, hat aber mit über 3 % eine der höchsten Bevölkerungs-Wachstumsraten in Zentralamerika.